DIE SPRECHBUEHNE

WER IST DIE SPRECHBUEHNE

Die Sprechbuehne der Sprechwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg wurde 1992 unter der Leitung von Dr. Martina Haase (Dozentin am Seminar für Sprechwissenschaft und langjährige Sprecherzieherin an verschiedenen Theatern) gegründet.
Von ausgewählten Studierenden des 3. Bachelor-Studienganges Sprechwissenschaft werden Lesungen und szenische Collagen in professioneller Art zur Aufführung gebracht. Ein Podium bietet dabei das Puppentheater Halle mit seinem Abendspielplan für Jugendliche und Erwachsene. In Kooperation mit dem Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) finden eigens für aktuelle Ausstellungen erarbeitete szenische Lesungen statt.
Gastspiele führten die Sprechbuehne in verschiedene Städte. Höhepunkte in jüngster Zeit waren mit der Inszenierung „In Verjandlungen mit Ernst“ die Teilnahme am Internationalen Theaterfestival „Drehbühne Brno“ in Tschechien im April 2015. Im Juli 2015 gastierte die Produktion beim klangTUNNEL MUSIKFEST in Erpel bei Bonn.
Die Projekte der letzten Jahre haben sich unter anderem mit dem Werk von Ernst Jandl (2013, „In Verjandlungen mit Ernst“) beschäftigt, mit barocker Lyrik und Zeitgeschichte um den Fürsten August von Sachsen in seiner Residenzstadt Halle (2014, „Komm, Trost der Nacht, o Nachtigall“) und mit dem Maler Lukas Cranach dem Jüngeren (2015, „DENKmal Cranach“). Diese Produktion entstand in Kooperation mit der Stiftung Luther-Gedenkstätten in Sachsen-Anhalt. Ein Projekt zu Lyonel Feininger und seinen berühmten Halle-Gemälden ist in Vorbereitung.

WAS IST DIE SPRECHBUEHNE

Auf den Brettern, die die Welt bedeuten, wird bekanntlich allüberall gesprochen, gesungen, gespielt, getanzt und gelacht. Auf der Sprechbuehne wird natürlich auch gesprochen, es wird Musik gemacht, gespielt und sogar getanzt. Nichts Besonderes also. Oder? Etwas Besonderes ist es doch, da die ausgewählten Textvorlagen vom jeweiligen Autor ursprünglich nicht für die Bühne geschrieben wurden.
Die eigentliche Herausforderung an das Team der studentischen Spieler/-innen und die Regie besteht darin, diese Texte mit Hilfe einer szenischen Grundidee auf der Bühne so umzusetzen, dass eine dramaturgische Komposition aus Sprache, Stimme, Bewegung, Interaktion und Spiel entsteht, unterstützt durch Bühnenbild, Kostüm, Maske und Musik.

Die Initiatorin und langjährige Leiterin der Sprechbuehne fordert dabei die Kreativität der Studierenden heraus und leitet diese in professionelle Bahnen. Für die Akteure entsteht sowohl durch die Möglichkeit der szenischen Darstellung von Literatur als auch durch das Ausloten ihrer eigenen Fähigkeiten in der künstlerischen Umsetzung ein nachhaltiges Erlebnis. Sie bekommen die Möglichkeit, Bühnenerfahrungen zu erwerben, die sie in ihren späteren Berufsfeldern, z. b. als Sprecherzieher für Schauspielstudierende nutzen können.
Damit verkörpert die Sprechbuehne einen kreativen Bestandteil des Studiums der Sprechwissenschaft, der die Verbindung zur Sprechkunst mit Leben erfüllt und so Theorie und Praxis erlebbar verzahnt.
Die beteiligten Studenten/-innen nehmen diese Herausforderung mit einem derartigen Engagement wahr, dass bei allen bisherigen Aufführungen der Funken zum Publikum übergesprungen ist und in der Regel vor vollen Häusern gespielt wurde. Die jeweiligen Produktionen werden in der Regel ein bis zwei Jahre gespielt und erleben bis zu 18 Vorstellungen.

Auswahl von Projekten

2016: „Lyonel Feininger in Halle – wie ein Maler die Stadt wahrnimmt“ eine Szenische Lesung (in Kooperation mit dem Kunstmuseum Moritzburg Halle/Saale)
2015: DENKmal Cranach – »Aber gibt es wohl auch nur einen, der ihn wirklich kennt?“ Szenische Lesung mit Musikern der Hofkapelle Wittenberg
2014: „Komm, Trost der Nacht, o Nachtigall“ August von Sachsen und die Stadt Halle. Literatur, Sprache und Musik im 17. Jahrhundert. Lesung mit Musik
2013: „Noldes Gemälde „Abendmahl“ – ein Kunstkampf oder wie die Moderne ins Museum kam“ Szenische Lesung. (in Kooperation mit der Stiftung Moritzburg, Landeskunstmuseum Sachsen-Anhalt)
„Die Kunst selbst ist eben meine Sprache“ Briefwechsel zwischen Emil Nolde und Max Sauerlandt 1913 – 1920. Szenische Lesung
2013: „In Verjandlungen mit Ernst – Ein Spiel mit Texten von Ernst Jandl“ – Szenische Collage
2012: „In roten Schuhen tanzt die Sonne sich zu Tod“ Expressionistische Lyrik. Eine szenische Lesung (in Kooperation mit der Stiftung Moritzburg, Landeskunstmuseum Sachsen-Anhalt)
2010: „Mein lieber, lieber blauer Reiter“ Franz Marc und Else Lasker-Schüler. Ein Briefwechsel in Bildern. Szenische Lesung. (in Kooperation mit der Stiftung Moritzburg, Landeskunstmuseum Sachsen-Anhalt)
2010: „Fümms Bö Wö – Mir tut der Unsinn leid – die Zweite“ Szenische Collage mit Texten von Kurt Schwitters
2009: Hörspielprojekte von Studierenden der Sprechwissenschaft (in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung)
2009: „Hoch im Blau sind Orgelklänge…“ Expressionismus in Schrift und Bild. Literarische Führung (in Kooperation mit der Stiftung Moritzburg, Landeskunstmuseum Sachsen-Anhalt)
2008/09: Kooperation mit dem Thalia Theater Halle bei verschiedenen Inszenierungen wie „Gertrud“ von Einar Schleef und „Orpheus in der Unterwelt“ von J. Offenbach
2008: „Salz und Poesie“ Novalis – Salineinspektor und Dichter. Lesung
2007: „Deine bleiben noch immer die Besten“ Briefe, Gedichte und Rezepte aus Goethes und Christianes Leben. Szenische Lesung 2007 „Guten Morgen, Stern!“ Szenische Collage mit Texten von Christian Morgenstern
2006: „Rot, Grün, Schwarz. Versteht ihr was die Maler malen? Franz Marc und Else Lasker-Schüler. Szenische Lesung. (in Kooperation mit der Staatlichen Galerie Moritzburg, Landeskunstmuseum Sachsen-Anhalt)
2004: „Liebeslust und Liebesleid. Sex & Crime“ Balladen von Goethe bis Ror Wolf. Szenische Collage
2002: „Fümms Bö Wö – Mir tut der Unsinn leid“ Texte von Kurt Schwitters. Szenische Collage
2001: „Ja, ich denke mit heißer Sehnsucht an die Stadt zurück…“ Lyonel Feininger und Halle. Szenische Lesung
2000: „laut und luise“ Ein Kreuzzug durch Ernst Jandls Poesie. Sprechcollage für 2 Sprecherinnen, Saxophon-Trio und Schlagzeug
1999: „Bedecke deinen Himmel, Zeus“ Gedichte und Balladen von Goethe (in Kooperation mit der Staatlichen Galerie Moritzburg, Landeskunstmuseum Sachsen-Anhalt)
1998: „PROcontraMETHEUS“ Szenische Collage mit Texten von Aischylos bis Heiner Müller
1997: „D´rum sind mir die Menschengesichter nicht hold…“ Gedichte und Geschichten von Gottfried August Bürger. Szenische Collage
1996: „Sprech-Stück-Werk“ Ein Abend mit Stücken aus drei Werken. Heiner Müller, Kurt Schwitters, Peter Handke
1996: „Das Märchen aller Märchen“ Geschichten aus dem Pentameron des G. Basile (in Kooperation mit der Staatlichen Galerie Moritzburg, Landeskunstmuseum Sachsen-Anhalt)
1993: Goethes „Reineke Fuchs“ – eine Geschichte der Macht. Szenische Lesung
1992: „Wanderer zwischen den Welten“ Lesung und Aktion. Drei Projekte zum literarischen Expressionismus (in Kooperation mit der Staatlichen Galerie Moritzburg, Landeskunstmuseum Sachsen-Anhalt)
1991: „Was soll ich dir erzählen…“ Eine Collage zu den deutsch-deutschen Ereignissen 1989/90